Von Roland Steinhauser, Rektor a.D.
Die Geschichte des Herbertinger Schulwesens ist lückenlos seit dem Ende des 30jährigen Krieges (1648) und ausführlich in der Schulchronik von 1977 durch Franz Burger und dem damaligen Konrektor Roland Steinhauser dokumentiert. Hier nun sollen die wichtigsten und einschneidensten Entwicklungen und Ereignisse der vergangenen 20 Jahre (1977 - 2000) dargestellt werden.
Die Schulleitung:
- 1965 - 1991 Rektor Willy Samtner
- 1991 - 1999 Rektor Roland Steinhauser
- Seit 1999 Schulleiter Peter Maerz
Die Konrektoren:
- 1969 - 1991 Roland Steinhauser
- 1991 - 1999 Peter Maerz
- Seit 2000 Detlef Behrens
Durch den Neubau der Grundschule und der Alemannenhalle (1977) hat sich an unserer Schule pädagogisch und organisatorisch vieles geändert und wesentlich verbessert.
Während der über 25 jährigen Schulleitung von Rektor Samtner wurde die Hauptschule baulich erneuert und erfuhr dadurch für die Herbertinger Infrastruktur eine erhebliche Aufwertung. Musste bis 1980 der Fachunterricht in den einzelnen Klassenzimmern gehalten werden, konnte nun der Unterricht in Physik, Hauswerk und Musik in fachspezifischen Unterrichtsräumen erteilt werden. Durch den Bau des Hartplatzes, die Einführung der Winter-Bundesjugendspiele und Gestaltung des Fahrradübungsgeländes wurde ein vielfältigerer und intensiverer Sportunterricht ermöglicht, der zu vielen Erfolgen bei auswärtigen Turnieren und Sportveranstaltungen auf Schulamts- und Oberschulamtsebene führte. Mit einfachen "Schneider-PC's" hielt der moderne technische Unterricht bereits seit 1980 Einzug an unserer Schule. Alle diese notwendigen Investitionen waren Voraussetzung für die spätere Entwicklung hin zur Werkrealschule (seit 1995).
Im pädagogischen Bereich wurde die Schule geöffnet (1987: 10-jähriges Bestehen der Grundschule) durch Unterrichtsbeispiele, Werk- und Bildausstellungen, musikalische Aufführungen (1987: Dokumentarspiel zur Wappenverleihung von 1682), aus dem Bereich der musischen-ästhetischen Erziehung (HUS=Heimat- und Sachunterricht, Musik, Bildhaftes Gestalten, Technik, Hauswirtschaft und Sport).
10 Jahre lang gestalteten Schülerredakteure zusammen mit dem Vertrauenslehrer die Schülerzeitschrift "Heidanei" , die informativ, kritisch und humorvoll das Welt- und Schul geschehen in Wort und Bild schülergerecht darstellte. Mit Hilfe des Bauhofes und unter Anleitung eines Fachlehrers entstand die Teichlandschaft neben der Grundschule. Leider wurde sie im Laufe der Jahre beschädigt und nicht mehr gepflegt. Im Schülerchor sangen 70 - 80 Schüler aus der dritten bis neunten Klasse bei vielerlei Anlässen Kanons, moderne Songs und zwei- bis dreistimmige Lieder. Die Projekttage (drei Tage können Schülerinnen und Schüler unabhängig von Klasse und Alter in kleinen Gruppen vielerlei Projekte gestalten: Sport, Wandern, Musizieren, Tanzen, Gestalten mit Farben und Werkmaterialien, Spielemachen in allen Variationen, Kochen, Forschen, ....) sind nur durch Mithilfe aufgeschlossener Eltern möglich. 1991 wurde Herr Samtner in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet, und sein Konrektor, Herr Steinhauser, übernahm für 8 Jahre, zusammen mit dem neuen Konrektor, Herrn Maerz, die Leitung der Schule. Durch viele Initiativen und Schulreformen wurde seither versucht, das Profil der Herbertinger Schule neu zu gestalten und zu verbessern.
In der Grundschule diskutiert man den Schulanfang auf neuen Wegen , d. h. die Schüler werden nicht mehr nach dem Lebensalter sondern nach ihrem Entwicklungsstand eingeschult und verbleiben in ihrer Lerngruppe, bis sie das Ziel erreicht haben (Auflösung der Klassenstruktur, kein "Sitzenbleiben" in den ersten Jahren). Es soll eine lebendige, lebensnahe, kindgerechte und verlässliche Grundschule entstehen (5 1/2 stündige Betreuung). Voraussichtlich wird ab dem Jahr 2004 der Englischunterricht ab der Klasse drei eingeführt. Für Lernschwache und Hochbegabte werden Förderprogramme angeboten und das "Überspringen einer Klasse" soll geregelt werden.
Eine seit 1995 gut funktionierende Hauptschule mit Werkrealschule (ab dem nächsten Schuljahr wechselt die 10. Klasse von Hohentengen nach Herbertingen) hat das Ziel, fächerübergreifende Kompetenzen der Jugendlichen zu schulen, die für soziales Verhalten, Teamarbeit, methodische Vorgehen und selbständiges Lernen notwendig sind. Dies geschieht durch einen guten Start in den Klassen fünf und sechs in praxisbezogenen Unterrichtseinheiten (Erlebnispädagogik) durch Lern-, Interessen- und Persönlichkeitsbildende Schul- Angebote (LIPSA-Modell) und Kooperationen mit außerschulischen Institutionen (Betriebe, öffentliche Einrichtungen und Vereine). eine qualifizierte Ausbildung in Projektarbeit ("Das Lernen lernen") führt zu geänderten Abschlussprüfungen, in denen vor allem neben den Grundfertigkeiten in Deutsch, Mathematik und Englisch Teamarbeit und soziale Einbindung geprüft werden. Durch Schulpartnerschaften (Partnergemeinde St. Paul en-Jarez) und verstärkte Zusammenarbeit mit den Eltern sollen bewusst Entwicklungsprozesse und Entwicklungsstörungen der Jugendlichen positiv beeinflusst werden.
Bei den großen Erwartungen, die die Öffentlichkeit an die Schule stellt, liegt die Verantwortung für die Umsetzung des Erziehungs- und Bildungsauftrages bei den Lehrerinnen und Lehrern. Auch im Kollegium und in der Schulleitung muss Teamfähigkeit und Teamarbeit geschult und verstärkt werden. Fortbildung geschieht deshalb in Zukunft mehr an der eigenen Schule (SCHILF = schulinterne Lehrerfortbildung). Da die Schule zu einem lernenden und sich entwickelnden System ausgebaut werden soll, werden Kolleginnen und Kollegen zu Multimedia- und Netzwerkberatern, zu Mentoren für Lehramtsanwärter und zu Fachberatern für die verschiedenen Unterrichtsfächer ausgebildet.
Neue Unterrichtsinhalte
(Befähigung der Schüler für "Schlüsselqualifikationen") und Unterrichtsformen (Freiarbeit, Epochenunterricht, fächerübergreifende Projekte) werden die moderne Schule in Zukunft kennzeichnen.
Ich gratuliere der Gemeinde zu dem gelungenen Erweiterungsbau und wünsche meinem Nachfolger Herrn Peter Maerz, seinem Konrektor Herrn Detlef Behrens, allen meinen Kolleginnen und Kollegen, den Schülerinnen und Schülern und allen die am Schulleben beteiligt sind, viel Mut, Entscheidungskraft und Entschlossenheit.
Zwei Lebensgrundlagen können wir unseren Schülern mit auf ihren Weg geben; "Wurzeln und Flügel".
Roland Steinhauser, Rektor