
Grund-Haupt- und Werkrealschule
Herbertingen
2. Heiß und kontrovers diskutiert – die Grundschulempfehlung!
In den nächsten Tagen erhalten die Eltern aller Viertklässler in Baden – Württemberg die Empfehlungen der Schule, in welche weiterführende Schulart ihr Kind überwechseln kann. Jedes Jahr um diese Zeit schlägt auch die Diskussion um dieses Aufnahmeverfahren bei vielen Eltern hohe Wellen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn die Empfehlung auf Hauptschule lautet. Häufig treten dabei Argumente wie soziale Ausgrenzung, das Verbauen von Bildungs- und Berufschancen oder der Zwang in schwierige Lerngruppen zu kommen in den Vordergrund. Es wird von Elternseite weniger die, am tatsächlichen Leistungsstand, dem Können und der Persönlichkeit des einzelnen Kindes ausgerichtete Entscheidung der Schule als ehrliche Grundlage für den weiteren Bildungsweg angesehen.
Die Spannbreite der derzeitigen Diskussion geht von der völligen Freigabe der Entscheidung an die Eltern bis hin zu einer Verschärfung der Anforderungen, um dadurch das Leistungsprofil der weiterführenden Schularten zu schärfen.
Ich möchte mit Hinweisen zum Verfahren und der speziellen Situation vor Ort zur Versachlichung der Diskussion beitragen.
1. Das Verfahren:
Nach einer ausführlichen Information durch alle weiterführenden Schulen( auch der Berufschule) finden Beratungsgespräche der Klassenlehrer mit den Erziehungsberechtigten über die jeweils beabsichtigte Schullaufbahn des Kindes statt.
In einer Klassenkonferenz unter der Leitung des Schulleiters wird über die Grundschulempfehlung und die Erstellung des Anmeldezeugnisses entschieden.
Maßstab für die Entscheidungen sind die Noten in den Fächern Mathematik und Deutsch unter Berücksichtigung des Lern- und Arbeitsverhalten. Dabei ist die Mindestanforderung für die Realschule ein Schnitt von 3,0 und für das Gymnasium von 2,5. Besonders bei Grenzfällen sollten sich die Eltern bewusst sein, dass es sich bei den Notenschnitten um Mindestanforderungen handelt.
Sollten Eltern mit der Empfehlung nicht einverstanden sein, besteht die Möglichkeit über eine Aufnahmeprüfung an einer zentralen Grundschule oder ein besonderes Beratungsverfahren durch einen Beratungslehrer, die gewünschte Schulart durch eine neue Bildungsempfehlung doch noch zu erreichen.
2. Übergangsquoten auf die Hauptschule
Häufig wird die Leistung eine Grundschule daran gemessen, wie gering ihre Übergangsquote auf die HS ist. Eine hohe Übergangsquote auf Realschule oder Gymnasium lässt aber nicht zwangsläufig auf die Qualität einer Schule schließen. Viel wichtiger ist die Substanz und Nachhaltigkeit der Empfehlung. Gerade „wackelige“ Empfehlungen bedeuten häufig in den folgenden Schuljahren eine Rückschulung der betroffenen Kinder.
Andererseits gibt der Besuch der Hauptschule diesen Kindern die Möglichkeit als nun neue Leistungsträger in der Klasse sich zu festigen und über die multilaterale Versetzungsordnung in die Realschule aufzusteigen oder die mittlere Reife über die Werkrealschule oder die zweijährige Berufsschule zu erwerben. Rückmeldungen der Realschulen und Gymnasien bestätigen seit Jahren, dass die getroffenen Entscheidungen unserer Grundschule und unserer Lehrerinnen und Lehrer, fundiert und realistisch sind und keine „Gefälligkeitsempfehlungen“ darstellen, die dann entstehen, wenn die Schule dem oft unsachlichen Druck mancher Eltern nachgibt.
Die durchschnittliche Übergangsquote auf die Hauptschule betrug in Herbertingen:
in den letzten 17 Jahren 45,7 %
in den letzten 7 Jahren 41,3 %
in den letzten 5 Jahren 41,1 %
3. Das Übergangsverhalten an der Lilly- Jordans- Schule
Am Beispiel des letzten Schuljahres möchte ich das Übertrittsverhalten an unserer Schule zeigen.
|
Schuljahr |
2006/07 |
|
|
Beratungsverfahren |
|
6 |
bestanden |
1 |
|
Schüler |
Gesamt |
65 |
In % |
Aufnahmeprüfung |
|
2 |
bestanden |
0 |
|
Empfehlung |
HS |
27 |
41,5 |
Verteilung auf |
|
|
|
|
|
der Schule |
RS |
20 |
30,8 |
Schulstandorte |
|
|
|
|
|
|
GY |
18 |
27,7 |
WRS Herbertingen |
|
25 |
|
|
|
|
|
|
|
NHS Mengen |
|
1 |
|
|
|
Elternwunsch |
HS |
21 |
32,3 |
Sonstige |
|
1 |
|
|
|
|
RS |
26 |
40,0 |
|
|
|
HS |
27 |
|
|
GY |
18 |
27,7 |
RS Bad Saulgau |
|
15 |
|
|
|
|
|
|
|
RS Mengen |
|
3 |
|
|
|
Tatsächlicher |
HS |
27 |
41,5 |
Liebfrauenschule Sig. |
|
3 |
|
|
|
Übergang |
RS |
21 |
32,3 |
|
|
|
RS |
21 |
|
|
GY |
17 |
26,2 |
Gymn. Bad Saulgau |
|
12 |
|
|
|
|
|
|
|
Gymn. Mengen |
|
4 |
|
|
|
|
|
|
|
Liebfrauenschule Sig. |
|
1 |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Gymn. |
17 |
Ein weiteres aktuelles schulpolitisches Thema ist die Zukunft der Hauptschule.
Die Landesregierung hat ein Programm zur Stärkung dieser Schulart aufgelegt.
Darüber möchte ich in meinem nächsten Beitrag informieren.
Peter Maerz, Rektor